Verschiedengroße Herzen aus Filzstoff und daneben vielfarbige Kondome und in der Mitte eine Banane, über die ein Kondom gerollt wurde.
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Präservativ, Gummi, Verhüterli, Pariser – heute geht es um das Kondom! (Teil 1)

„Wie war dein Sexualkunde-Unterricht?“ - „Wir haben Kondome über Bananen gezogen!“ – So oder so ähnlich antworten viele Erwachsene. Wie dieser Klassiker spaßig und vielfaltssensibel gestaltet werden kann, zeigen wir euch in diesem Beitrag.

In sexualpädagogischen Workshops sind die Informationen zur Beschaffung, Lagerung und Nutzung von Kondomen noch immer wichtige Grundlagenvermittlung. Welche Hilfsmittel können sexualpädagogische Fachkräfte hierfür sinnvoll einsetzen, damit diese Einheit auch allen Spaß macht?
Dazu haben wir einen großen Beitrag verfasst, den wir in zwei Blogbeiträge aufteilen.

In diesem ersten Teil findet ihr: Materialien und Hinweise für die sexualpädagogische Fachkraft.
In Teil 2 dieses Beitrags (Link folgt) findet ihr: Materialien und Hinweise für die Teilnehmenden.

 

Teil 1 von 2

Wir kennen den Ablauf: Beschaffungsoptionen von Kondomen und gemeinsame Risikobewertung von Automaten-Angeboten diskutieren, Hinweise geben auf die CE-Zertifizierung und das Haltbarkeitsdatum, gemeinsame Materialkunde und das Prüfen der unbeschädigten Verpackung (mittig zwischen Daumen und Zeigefinder drücken und das Luftpolster erfühlen) sowie die Demonstration inkl. aller Hinweise, wie die Verpackung korrekt oder möglichst nicht (z.B. mit Zähnen, Schere, spitzen Fingernägeln) geöffnet werden sollte, das Pusten für die Identifikation der korrekten Seite (und was zu tun ist, wenn die „falsche“ Seite auf die Eichel gesetzt wurde) bis zum Reservoir-Drücken und Abrollen bis gaaaanz runter. Ergänzt durch die Erläuterungen von geeigneten und ungeeigneten Gleitmitteln im Zusammenspiel mit Latexprodukten. Am Ende dann die geeigneten Entsorgungsmöglichkeiten (nicht ins Klo).

So weit, so gut – aber wir wollen mit euch in diesem Beitrag einige Hilfsmittel kennenlernen und Praxishinweise geben, um diese klassische Einheit der sexualpädagogischen Aufklärungsarbeit vielfältig und spaßig zu gestalten.


Materialien für die Fachkraft

Wir brauchen:

  • Kondome in verschiedenen Größen und Materialien

  • geeignete Gegenstände zum Abrollen des Kondoms

  • Gleitgel zum Zeigen

  • Optional: Papiertaschentücher und Probe-Gleitgel zum Anfassen


1. Kondome in verschiedenen Größen und Materialien
Spannend kann eine Auswahl sein: Vielleicht nicht nur die üblichen Drogerie-Produkte, sondern z.B. bei Jugendlichen auch Anbieter*innen kleinerer Größen vorzustellen. Und für Allergiker auch latexfreie Produktbeispiele. Wichtig bleibt hier die Wissensvermittlung, dass es von verschiedenen Herstellern für die individuell ideale Passform ganz unterschiedliche Breiten, "Kopf"-Formen, Wandstärken, Materialien und Farben gibt.

Praxisidee: Stellt euch doch mal eine Liste zusammen, welche Anbieter auch jugendgerechte Kondomgrößen haben und welche Wandstärken oder Fair Trade Produkte es derzeit im Handel gibt?

Auch sogenannte „Spaß-Kondome“ (z.B. geformt wie ein Hase oder ein Tannenbaum) mitzubringen, um zu zeigen, welche Modelle nicht geeignet sind für Safer Sex, können diese Einheit auflockern und die Vielfalt dieses Themas verdeutlichen.


2. Geeigneter Gegenstand zum Abrollen des Kondoms

Abhängig von der Zielgruppe und den eigenen Ressourcen gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Ob es die Salatgurken oder Auberginen sind (ja, klar - Bananen wären der Klassiker, aber die sind so schnell matschig und Lebensmittelverschwendung wollen wir ja nicht vorleben) oder ein Dildo aus dem Grabbelsack - die Möglichkeiten sind vielfältig.

Nebenbei: Die Grabbelsack-Methode haben wir schon vorgestellt. Ihr findet sie unter folgendem Link:
https://www.sexalog.de/artikel?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=1746&cHash=6dd7443c3ac5d764b9b8c88b4ab7e76a

Das „klassische“ Holzpenis-Modell findet ihr in den meisten Verhütungskoffer-Sets oder könnt es einzeln bestellen. Für knapp €8,- beispielsweise im Shop von medintim.de oder auch bunte Gips-Modelle bei lustlogisch.de (z.B. Grundschul-Set: zwei Modelle – mit und ohne Vorhaut / beschnitten und unbeschnitten – in Farben nach individuellem Wunsch für €39,-).

Es gibt auch ein Holzpenis-Set (6-teilig), wobei die sechs verschiedenen Größen (Länge und Durchmesser) gefertigt wurden auf der Datenbasis einer Studie aus dem Jahr 2000 der pro familia NRW und der Universitätsklinik Essen – eine direkte Einladung, die damit kaum vermeidbar ist, um über Penisgrößen zu sprechen während der verschiedenen körperlichen Entwicklungsphasen, tatsächlichen statistischen Durchschnittswerten, Pornografie-Mythen und internationale Vorurteile. Die sind mit knapp € 80,- zzgl. Porto kein Schnäppchen, aber stabil, nachhaltig und wirken professionell. Die lassen sich gut in Workshops an Teilnehmende verteilen, damit mehrere Personen gleichzeitig das Abrollen ausprobieren können. (Unter folgendem Link findet ihr die Bestelladresse:
https://www.profamilia.de/ueber-pro-familia/landesverbaende/materialien)

Praxishinweis: Um möglichst eindeutig und verständlich die Kondomverwendung zu vermitteln, nutzt ihr bevorzugt ein Penis-Modell, das optisch dem menschlichen Penis ähnelt und keine Aubergine. Und wenn ihr die Benutzung vorführt, klemmt euch das Modell z.B. zwischen die Oberschenkel, anstatt es auf einem Tisch vorzuführen. Das macht allen Zielgruppen verständlicher, was genau ihr da gerad macht. Wir wollen ja nicht, dass Menschen die Kondome über Gemüse ziehen und dann ungeschützt Sex haben, aber dabei denken, dass sie sich so vor Schwangerschaften und Infektionen geschützt haben!


3. Gleitgel zum Zeigen und Anfassen
Es ist für alle Zielgruppen relevant zu erfahren, dass es unterschiedliche Gleitgel-Sorten gibt. Doch um diese – wortwörtlich – begreifbar zu machen, kann es hilfreich sein, über die eine oder andere Sexualpraktik ins Gespräch zu kommen: Penetration mit dem Penis, Händen oder Sex-Toys, vaginal oder anal u.v.m. und dann lässt sich gut gemeinsam zuordnen, ob das wasser- oder das silikonbasierte Gleitgel geeigneter sein könnte. Hierzu gehört sodann entsprechend die Information, dass Latexkondome und Babyöl keine sichere Kombination sind – die Materialkunde zu Kondomen (Latex, latexfrei / Kautschuk, vegan, Fair Trade) sollte durch das Besprechen von (In-) Kompatibilität zu verschiedenen Gleitmitteln ergänzt werden.

Spannend kann auch das Angebot sein, zwei verschiedene Gleitmittel selbst anzufassen. Für jede*n, der*die mag, jeweils einen Tropfen auf die Zeigefinger und dann mal zwischen den Fingerspitzen verreiben. Merkt ihr den Unterschied?
Praxishinweis: Silikonbasiertes Gleitgel nicht in die Kleidung oder auf Laufflächen schmieren. Vorher ein Papiertuch auszuteilen, kann so manche schmierigen Unfälle vermeiden!

Zur Auflockerung geeignet oder als Einladung, um über verschiedene sexuelle Praktiken zu sprechen, ist auch das Zeigen der Zeichnung „Anal Safety Snails“ – ein Comic bestehend aus drei Zeichnungen.
(Link: https://imgur.com/gallery/5CyDGlo).

Bildbeschreibung Anal Safety Snails
Überschrift: Anal sex should not hurt. Follow these three rules from the Anal Safety Snails. (Analsex sollte nicht schmerzen. Folge diesen drei Regeln der Anal-Sicherheits-Schnecken.)
Zeichnung 1: Lots of Lube. (Viel Gleitgel.) – zu sehen sind zwei Schnecken, die seitlich an einem Gleitgel-Pumpspender hinaufkriechen.
Zeichnung 2: Go slow. (Mach langsam) – zu sehen ist eine Schnecke mit einer langen Schleimspur hinter sich.
Zeichnung 3: Communicate with each other. (Kommuniziert miteinander.) – zu sehen ist eine Schnecke auf der anderen, die obere fragt „How you doin“ (Wie geht’s dir) und die untere antwortet „S‘alright“ (Es ist alles gut).
Bildunterschrift: „Mild, temporary discomfort while your body gets used to a foreign object being inside o fit is normal… but if it hurts, STOP.“ (Mildes, vorübergehendes Unwohlsein während dein Körper sich an das fremde Objekt in dir gewöhnt, ist normal… aber wenn es schmerzt, STOP.)


Im zweiten Teil dieses Beitrags erläutern wir Hinweise zu Materialien für die Teilnehmenden wie Kondometer, geeignete Broschüren und ergänzende Hinweise zu Femidomen, Lecktüchern und Betäubungsspray – bleibt gespannt!


 

Wie hat euch der erste Teil gefallen? Welche Tips und Hinweise für diese Methode wollt ihr mit anderen teilen? Habt ihr weitere Ideen für Beiträge und wollt einen eigenen Beitrag einreichen?

Schreibt gern in die Kommentare oder meldet euch bei uns!


 

Verfasst von Katja Wollmer, Referentin für Sexuelle Bildung, pro familia Bundesverband

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