Wer schon Erfahrungen in der Präventionsarbeit zu sexueller Gewalt gesammelt hat, kennt neben den vereinzelten kritischen Stimmen auch die große Erleichterung, die Dankbarkeit und das sichtbar zunehmende Selbstbewusstsein der Erwachsenen, wenn Informationen, Strategien und Hintergründe vermittelt werden, bei der Erstellung und Überarbeitung von (Schutz-) Konzepten unterstützt oder bei Elternabenden die Präventionstätigkeit mit Kindern praktisch und mit Tips für zu Hause erklärt wird. Ja, es ist für viele Erwachsene ein schwieriges Thema, aber das Sprechen, das Stärken, das Enttabuisieren sind von so großer Wichtigkeit für alle – hierfür ist diese Grundschulunterricht-aufbereitete Sammlung eine große Unterstützung und kann nachhaltig eine große Erleichterung für die niedrigschwellige Integration des Themas in den Schulalltag sein.
„Entgegen der unter Lehrpersonen weit verbreiteten Furcht, mit dem Thema Prävention sexueller Gewalt an Kindern auf die Ablehnung vieler Eltern zu stossen, begrüssen die meisten von ihnen diesbezügliche schulische Aktivitäten. Ein Grossteil der Eltern fühlt sich selber überfordert mit der Thematik und ist froh, wenn die Schule hier Unterstützung bietet.“
(Kinderschutz Schweiz (Hrsg.) (2015): Mein Körper gehört mir! Unterrichtsmaterialien von Primarlehrerinnen und Primarlehrer, Seite 5)
Die hier zusammengestellten Methoden, Übungen, Materialien und Literaturhinweise sind sehr umfassend und bieten viel Inspiration, Orientierung und die Möglichkeit zur Auffrischung. Auf der Website Kinderschutz Schweiz ist der Download einer kostenlosen PDF in deutscher und französischer Sprache möglich:
https://www.kinderschutz.ch/ angebote/herunterladen-bestellen/ mkgm-unterrichtsmaterialien
(Kurzlink: https://t1p.de/193h)
Neben einführenden Worten ins Thema, Grundsätzlichem zur Prävention und den wesentlichen Botschaften werden die jeweiligen Kapitel mit einer ausformulierten Zielsetzung eingeleitet.
In der Methoden- und Materialsammlung finden sich abschnittsweise weiterführende Literaturhinweise und es gibt jeweils Kopiervorlagen für Bastel-, Klebe- und Malübungen sowie Lieder (Noten und Text) für den Schulunterricht. Auf den Arbeitsbögen werden Fallbeispiele dargestellt und mit einer Aufgabenstellung verknüpft, Kreuzworträtsel sind vorbereitet und Vermittlungshilfen für Kinderrechte sowie zur Reflexion der Geschlechterrollen formuliert. Alles in allem eine umfangreiche, inspirierende Sammlung!
Eine kurze Darstellung des Inhalts für einen ersten Überblick:
Mein Körper gehört mir!
Acht Übungen, drei Arbeitsbögen (S.8-15)
Ich vertraue meinem Gefühl!
Zehn Übungen, elf Arbeitsbögen (S.16-33)
Ich kenne gute und komische Berührungen
Neun Übungen, sechs Arbeitsbögen (S.34-44)
Ich darf Nein sagen!
Neun Übungen, zwei Arbeitsbögen (S.45-51)
Ich unterscheide zwischen guten und schlechten Geheimnissen!
Sieben Übungen, acht Arbeitsbögen (S.52-65)
Ich bin schlau, ich hole mir Hilfe!
Sieben Übungen, drei Arbeitsbögen (S.66-72)
Stärkung des Selbstbewusstseins und Stärkung von Kinderrechten
Acht Übungen, zehn Arbeitsbögen (S.76-90)
Geschlechtsspezifische Sozialisation
Sieben Übungen, vier Arbeitsbögen (S.91-99)
Hinweis zum Hintergrund dieses Materials:
Auf der Website findet ihr auch eine Beschreibung und den Verweis auf die Arbeit vom Präventionsbüro PETZE // PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH in Kiel, die als Grundlage diente. In deren Downloadbereich können weitere Materialien zu diesem Themenkomplex gefunden werden:
https://www.petze-institut.de/ praeventionsmaterial/downloadbereich/
„Im Februar 2006 lancierte Kinderschutz Schweiz eine dreijährige, nationale Kampagne mit dem Titel «Keine sexuelle Gewalt an Kindern», deren Ziel die Prävention von sexueller Gewalt an Mädchen und Knaben ist. Die Kampagne bestand aus verschiedenen Modulen, eines davon ist die Durchführung der Wanderausstellung «Mein Körper gehört mir!»; einer Adaption der in Deutschland erfolgreich erprobten Ausstellung «Echt Klasse!» des Kieler Präventionsbüros PETZE.“
(https://www.kinderschutz.ch/ angebote/ herunterladen-bestellen/ mkgm-unterrichtsmaterialien)
Wie gefällt euch denn diese Sammlung? Habt ihr Hinweise für einzelne Methoden oder Materialien?
Verfasst von: Katja Wollmer, Referentin für Sexuelle Bildung, pro familia Bundesverband