EIn aufgeklapptes Buch, in dessen Mitte zwei Buchseiten zum Herz geformt sind
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“Ganz schön Intim” - Methodensammlung

Wir möchten euch auf eine umfangreiche, toll strukturierte Methoden- und Materialsammlung aufmerksam machen, die für die Arbeit mit 6- bis 12-Jährigen entwickelt und in der Praxis getestet wurde.

Kurzlink zur Broschüre: https://t1p.de/bgtj

In der 160-seitigen Broschüre vom Verein SELBSTLAUT gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen (Website: https://selbstlaut.org/) findet ihr Materialien, Methoden, Hinweise, Links zu Dateien und Downloads, Kopiervorlagen und mehr zu diesen Themen:

  • Gefühle & Sinne (5 Übungen)

  • Zustimmung & Grenzen setzen (8 Übungen)

  • Liebe & Zuneigung (6 Übungen)

  • Identitäten & Körper (12 Übungen)

  • Intimität & sexuelle Aktivitäten (8 Übungen)

  • Wörter & Räume (6 Übungen)

  • Zyklus, Baby & Co. (6 Übungen)

Die Unterrichtsmaterialien und begleitenden Texte wurden vom Verein SELBSTLAUT gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen 2013 im Auftrag und mit den Mitteln des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung Schulpsychologie (Wien) erstellt.

Der Einstieg ist mittels eines Kapitels zum „Sprechen über Sexualität“ (S. 6-8) gestaltet und greift wirklich schön die verschiedenen Herausforderungen auf, die sich aus dem Kontext „System Schule“ und dem Anspruch einer sexualfreundlichen Haltung ergeben können. Das Kapitel endet mit einem Link zu Arbeitsbögen für die Selbstreflexion der durchführenden Lehr-/Fachkraft. Auch enthalten ist der Hinweis, dass als Hilfsmittel ein Elternbrief  (deutsch, kroatisch, türkisch, englisch, polnisch) entwickelt wurde, der in dieser Broschüre enthalten ist (S. 151-155).

Hinweis zum Elternbrief: Besonders gelungen finden wir die vielfältige Ansprache. Beim wording „Sexualerziehung“ spaltet sich jedoch erfahrungsgemäß die Fachwelt. Abhängig von eurem Auftrag könntet ihr die Formulierungen anpassen mit z.B. Sexualpädagogik oder Sexuelle Bildung. Hilfreich ist eine Rückversicherung in eurem Träger oder ein Blick in den schulischen Rahmenlehrplan, wie das bei euch regional oder einrichtungsspezifisch gehandhabt bzw. formuliert wird.

Im darauffolgenden Kapitel werden „Spielregeln“ vorgeschlagen.
Ergänzende Gedanken: Ob ihr mit dem Begriff „Spiel“ für dieses Thema mitgeht, müsst ihr für euch selbst mal überlegen. Und was auch gewinnbringend für die eigene „Erlaubnis“ an sich selbst ist, um zu sprechen, wäre z.B. die Regel „Was hier erzählt wird, bleibt in diesem Raum. Keine*r möchte, dass das morgen online verbreitet wird. Das hier ist ein Schutzraum!“
Einstiegsübungen wie E3 – Begriffe sammeln (S. 86-87) sind super geeignet, um anzufangen zu sprechen - das kann ja anfangs in der Gruppe/Klasse durchaus schwierig sein. Die Übung F4 (ab S. 112) kann hier bestimmt auch nützlich sein.

Zur Atmosphäre, Alter, Aufbau, Gruppen, Schutz, unbequeme Fragen und Sprache folgen weitere Erläuterungen und Praxishinweise (S. 9-10).

Aufbau der Übungen: Titel, kurze Einleitung, benötigte Materialien und Übungsbeschreibung.

Auf S. 148-150 sind die Übungen sortiert nach Zeitumfang und Zielgruppen, was euch unterstützen kann, die euch zur Verfügung stehende Zeit bestmöglich zu nutzen bzw. geeigneten (thematische) Zusammenstellungen von Übungen zu identifizieren:

  • Stundenbilder

  • Pakete (1 Tag / mehrere Tage / Projektwoche)
    z.B. könnte ein Gefühle-Tag gemacht werden oder ein Tag nur zu Zyklus & Regel gestaltet werden

  • Extras

Besonders schön: Zu vielen der Übungen gibt es Links zu Vorlagen oder Dateien (z.B. auch: mp3-Download), mögliche Varianten der Übung, Literaturtipps, Beispiele und Erklärungen dazu, Kopiervorlagen.

Hinweis zu Grafiken
- von inneren Geschlechtsorganen (S. 53-54): Hier könntet ihr mit älteren Kindern/ Jugendlichen aktuell umstrittene Begriffe für äußere Geschlechtsorgane wie „Schamlippe“ diskutieren oder (bei den Jüngeren) einfach weitere Bezeichnungen wie Vulva und Vulva-Lippen noch erklärend ergänzen.
- Dasselbe gilt für Körperbehaarung (Übung D4) und den Begriff „Schamhaare“ – spannend wäre vielleicht ein Gespräch, ob die Kinder/Jugendliche andere Wörter für den eigenen Körper gelernt haben / besser finden?
- Auch die Darstellung E6 (S. 93-94) von einem „Jungfernhäutchen“ und die Benennung „Scheide“ (alternativer Vorschlag: Vagina) sind aktuell in der kritischen Diskussion. Auf S. 94 werden drei Beispiele für Hymen gezeigt. Wir empfehlen auch ergänzend unseren Beitrag „Factsheet Scheidenhäutchen“ für weitere bildliche Darstellungen und in der Moderation die Information, dass es so gesehen nicht „das“ Häutchen gibt, sondern dass das Hymen ganz unterschiedlich aussehen kann.

Abschließend auf S. 156-157 findet ihr noch eine Liste mit Links & Literatur zu vielfältigen weiteren Informationen.

 

Wir sind begeistert von dieser Methodensammlung – wie gefällt sie euch? Habt ihr eine Lieblingsmethode entdeckt, die ihr mit einem eigenen Beitrag vorstellen wollt? Hinterlasst uns gerne einen Kommentar!

 

Verfasst von: Katja Wollmer, Referentin für Sexuelle Bildung, pro familia Bundesverband

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