Vier gezeichnete Personen, von dene zwei miteinander Ball spielen und zwei miteinander zu sprechen scheinen und in der Mitte der Broschürentitel und in der Ecke das pro familia Logo
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Broschüre: So bin ich So bist du

Kennt ihr schon die Mitmach-Broschüre für Grundschüler*innen, in der die Themen Familie, Körper, Gefühle, Pubertät und Babys angeboten werden? Super für die eigenständige Erforschung oder begleitet durch Eltern und Vertrauenspersonen!

Die letztes Jahr erschienene 32-seitige Broschüre „SO BIN ICH SO BIST DU“ im DIN A5 Format könnt ihr als gedruckte Broschüren kostenlos bestellen: https://www.profamilia.de/publikationen (Direktlink: https://t1p.de/qjwo)

Als PDF könnt ihr sie hier herunterladen (Achtung: 18 MB groß): https://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Jugendliche/so_bin_ich_so_bist_du.pdf (Kurzlink: https://t1p.de/2ukt)

Die Begleittexte sind in kurzen Sätzen und kindgerecht formuliert. Die Beispiele entsprechen der Lebenswelt von Grundschulkindern. Die Zeichnungen sind bunt, vielfältig, ansprechend, eindeutig. Einige Hinweise und Praxis-Ideen haben wir an geeigneter Stelle jeweils für euch ergänzt - aber ihr habt bestimmt noch weitere Ideen!

Luis, Karla, Timur, Melina (die Hauptfiguren werden vorgestellt auf S. 3)

Zu Beginn werden die vier Hauptfiguren vorgestellt: Karla, Luis, Timur und Melina sind befreundet, leben in derselben Straße und gehen in die 3. Und 4. Klasse und verbringen ihre Freizeit zusammen.

So leben sie mit ihren Familien (vielfältige Familien- und Lebensmodelle auf S. 4-6)

Nachdem jede Figur einzeln vorgestellt wurde (mit vielfältigen Familienmodellen und Lebensmodellen), werden die Leser*innen auf einer freien Seite aufgefordert, ihre eigene Wohnsituation und sich selbst zu zeichnen.

Du siehst so aus und ich sehe so aus (Einzigartigkeit dank Erbgut auf S. 7)

Die vier Hauptfiguren sitzen nebeneinander auf einer Mauer und sprechen über die Haarfarbe von Luis. Im vorangestellten Begleittext wird der Begriff „Erbgut“ altersgerecht und anhand von verschiedenen Beispielen erklärt.

Jeder Mensch mag etwas anderes (Vorlieben und Begabungen auf S. 8-9)

Die unterschiedlichen Vorlieben, Hobbies und Begabungen der vier Hauptfiguren bieten eine genderunabhängige und vielfältige Diskussionsanregung und Identifikationsvorlage mit einer Figur. Grundschüler*innen finden hier bestimmt die eine oder andere Gemeinsamkeit.

Auf einer vorstrukturierten Seite (Linien vorgezeichnet) werden die Grundschulkinder aufgefordert die eigenen Hobbys, Begabungen und Abneigungen aufzuschreiben.

Wie fühlt sich das an? (Gefühle zeichnen auf S. 10-11)

Zwei Beispiele sollen die Leser*innen anregen, auf der folgenden Seite in vier kleine Kästen verschiedene Gefühle künstlerisch auszudrücken und jeweils zu beschriften.

Die Beispiele in der Broschüre sind:
Während Speiseeis in der Waffel schmilzt, läuft es Timur über die Hand.

Ein besonderes Gefühl: Scham & Peinlich oder nicht? (S. 12-13)

In diesem Abschnitt wird das Gefühl „peinlich“ und „Scham“ erklärt und in die Entwicklungsphase der Pubertät eingeordnet. Die Individualität und Entwicklung dieses Gefühlspektrums und ihr positiver Nutzen als Schutzfaktor, also für die Wahrnehmung der eigenen Grenzen, kann anschließend anhand von vier Fallbeispielen das eigene Schamgefühl erforscht werden:

  1. Ja, das ist voll peinlich.

  2. Hm, das geht so.

  3. Nee, das macht nichts.

Eines der Fallbeispiele: Wenn deine Mutter oder dein Vater dich vor der Schule küssen. A, B oder C?

Noch ein besonderes Gefühl: verliebt sein (S. 14)

Wer sich in wen verlieben kann? In der Broschüre wird sachlich aufgezählt: Ein Junge in ein Mädchen, ein Mädchen in einen Jungen, ein Mädchen in ein Mädchen und ein Junge in einen Jungen.

Praxis-Hinweis: Abhängig von Alter und Entwicklungsstand könntet ihr an dieser Stelle noch zielgruppengerecht formuliert ergänzen, dass manche Menschen sich auch in Jungs und Mädchen verlieben können oder auch einige sich einfach in einen Menschen verlieben und ihnen das Geschlecht dann völlig egal ist. Damit öffnet ihr die Schranken im Kopf bezüglich der Heteronormativität und Geschlechterbinarität „ganz nebenbei“ mit auf.

Auch zwei der Hauptfiguren in der Broschüre werden zum besseren Verständnis herangezogen und die Leser*innen zum Mitdenken aufgefordert: Karla gesteht Luis, dass sie ihn toll findet. Was könnte Luis antworten?

Unsere Körper sind verschieden (Körpervielfalt auf S.15)

Anhand einer gezeichneten Duschszene (Rücken- und Vorderansicht von zwei bisher unbekannten Kindern) wird im Begleittext erklärt

  • dass Körper einzigartig sind

  • dass es neben Unterschieden auch Gemeinsamkeiten gibt

  • dass sich Körper von Kindern stellenweise unterscheiden – und damit wird der Begriff „Geschlechtsorgane“ eingeführt

  • dass das Aussehen von Geschlechtsorganen sehr vielfältig sein können und auch, wie man sich im Körper fühlt

Praxis-Idee: Hier lädt der Begleittext zur ergänzenden Eingabe der Workshopleitung ein, auch die Themen trans* und inter* geschickt und verständlich einzuflechten. Erwähnt es doch einfach gleichberechtigt neben anderen geschlechtlichen Identitäten, wenn ihr über Geschlechtsorgane oder Körperwahrnehmung sprecht?

Der weibliche Körper (äußere Geschlechtsorgane auf S. 16-17)

Die gewählten Begriffe für die Beschreibung der (zumeist) weiblichen äußeren Geschlechtsorgane werden mittels eines Dialogs zwischen Melina und ihrer Mutter erläutert, die eine Darstellung der Außenansicht in einem Buch zur Erklärung hinzuzieht. Im weiteren Dialog werden die einzelnen Begriffe der Darstellung erläutert.

Hinweis: Auch wenn neben der Außendarstellung auf die Vielfalt des Aussehens in einem separaten Kasten hingewiesen wird, könnte – wieder abhängig von Alter- und Entwicklungsstand oder Wissensdurst – der Zielgruppe z.B. die Darstellung der gesamten Klitoris (des innenliegenden sowie äußerlich sichtbaren Anteils) angeboten werden. Ein sich-bewusst-machen der Größe und Schönheit der eigenen Geschlechtsorgane, auch wenn bei den meisten Mädchen der Großteil von außen nicht sichtbar ist, kann eine positive Stärkung des Selbstbewusstsein unterstützen.

Der männliche Körper (äußere Geschlechtsorgane auf S. 18-19)

Timur redet mit seinem großen Bruder über Muskeln, Körperbehaarung und der Bruder zeigt ihm eine Darstellung der äußeren Geschlechtsorgane bei den meisten Jungen. Im Besonderen wird hier differenziert nochmal „mit Vorhaut“ und „ohne Vorhaut“ dargestellt.

Wie Melina zuvor mit ihrer Mutter, erklärt nun auch Timurs großer Bruder die Begriffe Hodensack, Harnröhrenausgang, Eichel und Erektion.

Dein Körper und du (den eigenen Körper kennenlernen auf S. 20)

Auf der folgenden Seite werden die Leser*innen wieder direkt angesprochen und in einfacher Sprache wird dazu motiviert, den eigenen Körper zu betrachten, zu erforschen und kennenzulernen, zu beschützen und wertzuschätzen. Grafisch dargestellt sind menschliche Körperumrisse und einige Aussagen in Sprechblasen darüber, welche (Selbst-) Berührungen sie mögen (z.B. Feder auf der Haut oder Haare kämmen).

Was ist die Pubertät? (S. 21)

Als die größte Veränderung für Kinder wird die Pubertät als körperlicher Umbau erklärt, die verrücktspielende Gefühlswelt sowie mögliches Anfangsalter und Dauer benannt.

Der weibliche Körper verändert sich (Pubertät und innere Geschlechtsorgane auf S. 22-23)

In vielen Details wird umfangreich der Umbau beschrieben: Körperfettverteilung (Hüften, Brüste), Körperbehaarung, Reifeprozess und Funktion innerer Geschlechtsorgane, Menstruation bzw. Monatsblutung und Zyklus.

Es folgen auch Hinweise zu Körperhygiene, Hinweise zu fettiger Haut und Haaren, Pickeln sowie vaginalem Ausfluss.

Praxis-Idee: Besonders gelungen finde ich hier sowohl den Hinweis, auf Seife bei der Genitalhygiene zu verzichten als auch auf mögliches Jucken oder Brennen zu achten bzw. in diesem Fall den Eltern Bescheid zu sagen. Falls ihr mit eurer Zielgruppe viel Zeit habt oder in einem naturwissenschaftlichen Unterricht ein Beispiel für pH-Werte benötigt, sprecht doch mal über das saure Milieu der Vagina und welche Gesundheitsmaßnahmen die Gesundheit der Mädchen und Frauen unterstützend beachten können (keine Seife einführen, möglichst Naturfasern wie Baumwollen für Unterhosen wählen)?

Der männliche Körper verändert sich (Pubertät und innere Geschlechtsorgane auf S. 24-25)

In vielen Details wird umfangreich der Umbau beschrieben: Wachstum und Muskelaufbau, Körperbehaarung, Stimmbruch, Reifeprozess und Funktion innerer Geschlechtsorgane, Sperma.

Auch für den (zumeist) männlichen Körper erfolgen Hygienehinweise – wie der mit dem Hinweis, auf die Seife bei der Genitalhygiene zu verzichten und nur warmes Wasser zu nutzen.

Was ist noch wichtig beim Körper? (Präventionsbotschaften auf S. 26-27)

Im Stil von Schulflur-Plakaten werden die euch vermutlich bekannten Präventionsbotschaften jeweils erklärt.

  • Anfassen ist nur erlaubt, wenn du es willst!

  • Nein sagen ist erlaubt!

  • Schlechte Gefühle, schlechte Geheimnisse

  • Ausnahme und Erklärung bzgl. medizinischer / ärztlicher Behandlungsmaßnahmen

Das neue Baby (S. 28)

Anhand des Erlebnisses, dass Luis seine kleine Schwester den Freund*innen vorstellt, wird in kindgerechten Worten ein Dialog dargestellt, in dem die Hauptfiguren die Entstehung mittels Eizelle und Samenzelle beim Sex haben miteinander besprechen.

Sex haben – Kinder haben (S. 29-30)

Luis Mutter greift in einer Sprechblase den kindlichen Dialog auf. Darunter ist eine Buchseite abgebildet, auf der körperliche Annäherungen (Küssen, Schmusen, Streicheln) sowie die körperlichen Erregungsreaktionen bei einem Mann und einer Frau beschrieben sind. Der Begriff Geschlechtsverkehr wird eingeführt und kurz erklärt. Die mögliche Befruchtung wird erklärt und die anschließende Entwicklung der befruchteten Eizelle bis zur Geburt.

 

Wir haben ganz viele Ideen für die Nutzung in der Praxis – habt ihr noch weitere Ideen oder Hinweise? Oder habt ihr die Broschüre schon genutzt und wollt eure Erfahrungen teilen?
Schreibt uns gern in die Kommentare!

 

Verfasst von: Katja Wollmer, Referentin für Sexuelle Bildung, pro familia Bundesverband

Kommentare und Antworten

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Bemerkungen :

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    Linda 06.09.2021 um 17:02

    Sieht nach einer guten Broschüre aus! Toll! Nur schade, dass das Wort "Schamlippe" verwendet wird, wo wir doch wegkommen wollen davon, dass Sexualorgane irgendetwas mit Scham zu tun haben. Nennen wir sie doch einfach "Vulva-lippen"!

    • user
      Katja (sexalog) 07.09.2021 um 09:19
      Guten Morgen Linda, danke für das Lob und den Hinweis.
      Wir haben die aktuellen Diskussionen nicht ignoriert und in Rücksprache mit dem Entwickler*innenkomitee möchte ich zum berechtigten Hinweis der erwünschten Sprachweiterentwicklung noch ergänzend erläutern:
      Die Entwickler*innen haben sich explizit dafür entschieden in der Broschüre meistens mehrere Begrifflichkeiten nebeneinander zu verwenden, da im fachlichen Austausch mit verschiedenen Expert*innen davon auszugehen ist, dass die Kinder im häuslichen Kontext eher (nur) den Begriff Schamlippen kennenlernen, den die Eltern und primären Bezugspersonen zumeist selbst verwenden. Kurz gesagt verstehen wir als erste Schritt der Begleitung des aktuellen Sprachwandels: die Kinder müssen lernen, was sie lesen und zu Hause hören, erstmal zusammen zu bringen. Dann folgt der zweite Schritt: wir führen einen anderen Begriff ein und so verstehen die Kinder, dass es genau das Gleiche ist. Dann haben sie eine Chance, beide Lebens- und Lernräume in Einklang zu bringen. Das haben wir nicht, wenn wir ihre Lebenssprachwelt von Zuhause einfach nur ignorieren und plötzlich "bad words" ersatzlos streichen, ohne eine Übergangsphase zu ermöglichen. Wir wollen nicht vergessen, dass wir schon froh sein müssen, wenn Kinder überhaupt Zuhause über Genitalien sprechen :-)
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