Ein junges Kind hält ein pinkfarbenes Einhorn in die Kamera
pixabay cc-0 by kaboompics

Gender Unicorn

Wie können wir anschaulich die Unterschiede zwischen Geschlechtsidentität und -ausdruck vermitteln? Was ist das “bei der Geburt zugewiesene Geschlecht”? Als Werkzeug für diese Vermittlung stellen wir euch das Gender Unicorn vor.

Das “Gender Unicorn” wurde 2014 von Landyn Pan und Anna Moore von TSER (Trans Student Educational Resources) designed, weltweit übersetzt und für die Sexuelle Bildung zum Thema LGBT*IQ+ eingesetzt. Als eine Weiterentwicklung der “Genderbread Person” (z.B. wurde Geschlecht (Sex) umformuliert zu Bei Geburt zugeteiltes Geschlecht (sex assigned at birth), die vielen bereits bekannt ist, eignet sich das Einhorn auch für die Arbeit mit Grundschüler*innen bereits wunderbar.

Auf der Seite vom +project aus Bern (https://www.plusproject.ch/gender-unicorn/) findet ihr eine deutschsprachige Übersetzung sowie verschiedene Hinweise und Anmerkungen für die Nutzung mit den Zielgruppen 1.-3. Klasse und 4.-6. Klasse anhand der Materialien von der Bildungsinitiative QUEERFORMAT zu den Themen Intersexualität, Anders ist normal und Vielfalt, die wir euch in anderen Beiträgen näher vorstellen wollen. Eine Methode zum Thematisieren von Inter* in der Grundschule hatten wir euch hier bei Sexalog schon vorgestellt.
 

Das Gender Unicorn (übersetzt: Geschlechts-Einhorn)

Das lila-farbene Einhorn ist ausgestattet mit einer Gedankenblase, in der ein Regenbogen dargestellt ist, auf dem Oberkörper zwei Herzen und zwischen den Beinen eine DNA-Helix. Zusätzlich sind entlang der Einhorn-Silhouette kleine grüne Punkte dargestellt.

In der Bild-Legende rechts neben dem Einhorn sind die Bilder wie folgt aufgegliedert:

(1) Regenbogen - Geschlechtsidentät (wie fühle ich mich?)

Darunter sind drei Skalen dargestellt, die jeweils beschriftet sind.
O———> weiblich/ Frau/ Mädchen
O———> männlich/ Mann/ Junge
O———> andere Geschlechter

Hinweis: Angelehnt an die Skala-Darstellung der Kinsey-Reports von 1948 und 1953 des Sexualforschers Alfred Charles Kinsey (1894-1956) zur Darstellung der sexuellen Orientierung ist auch hier ein breites Spektrum zwischen den Polen gemeint. Um sich nicht ausschließlich binär, also an den Polen "männlich" und "weiblich" zuordnen zumüssen, sondern dazwischen eine große Varianz der eigenen Identitätsverortung anzubieten, wird eine Skala dargestellt. Eine zielgruppengerechte Erklärung dieses Hintergrunds kann auch beinhalten, dass die eigene Idenität vielmals mehr als "nur" ein Gefühl, sondern eine eindeutige Gewissheit darstellt.

(2) Grüner Punkt - Geschlechtsausdruck (wie gebe ich mich nach außen?)

Darunter sind drei Skalen dargestellt, die jeweils beschriftet sind.
O———> feminin
O———> maskulin
O———> andere

Hinweis: Abhängig vom sozialen Gefüge, in dem ich mich bewege, werde ich in meiner gesamten Erscheinung "gelesen als" und anhand von vielfältigen stereotypischen Faktoren wie z.B. Haarlänge/Frisur, Körperbehaarung, Körperfettverteilung, Schmuck, Kleidungsstücke, sprachlicher Ausdruck, Bewegung/ Körperpositionen u.v.m. somit zumeist (eher) zu einem der Pole der Skala zugeordnet. Diese Zuordnung kann je nach Epoche, Sozialraum oder individuellen Perspektiven/Erfahrungen stark variieren. Zum Beispiel für trans* Personen am Anfang der Transition und Menschen, die nicht der aktuellen Idealvorstellung einer Normschönheit entsprechen, kann das Thema 'Passing' eine wichtige Rolle spielen.

(3) DNA-Helix - Bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht

drei kleine farbige Kreise mit jeweiliger Beschriftung: weiblich, männlich, inter*

(4) orangenes Herz - Sexuell angezogen von

Darunter sind drei Skalen dargestellt, die jeweils beschriftet sind.
O———> Frauen
O———> Männern
O———> anderen Geschlechtern

(5) rotes Herz - Romantisch angezogen von

Darunter sind drei Skalen dargestellt, die jeweils beschriftet sind.
O———> Frauen
O———> Männern
O———> anderen Geschlechtern


Ergänzende Praxis-Hinweise:

a) sexuelle Orientierungen
Mittlerweile gibt es ausdifferenzierte Begriffe für viele verschiedene sexuelle Orientierungenvon asexuell über demisexuell bis pansexuell. Für die Thematisierung in der Praxis könnte dies eine Überleitung zu vielfältigen Beziehungsformen darstellen (von Monogamie bis Polyamorie) oder Familienmodelle (von Alleinerziehend über Regenbogenfamilie bis Patchworkfamilie) besprochen werden.

b) Beziehungsberatung für Jugendliche - "Wohin wende ich mich bei Krisen?"
Für Jugendliche bietet pro familia eine Beziehungsberatung an, die als Onlineberatung oder in einer der vielen Beratungsstellen vor Ort genutzt werden können: https://www.profamilia.de//fuer-jugendliche/beziehung
Ein spezialisiertes Peer-to-Peer-Beratungsangebot für queere Jugendliche bietet per E-Mail, Chat, Telefon und persönlich das In&Out Beratungsprojekt von Lambda Bund: https://comingout.de/

c) sprachliche Ergänzungen zur Darstellung von "bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht"
Wenn ihr die umfassende Zusammensetzung der verschiedenen Aspekte von "Geschlecht" mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Fachkräften, Eltern und primären Bezugspersonen und Multiplikator*innen thematisiert, kann diese Darstellung auch verwendet werden - das Einhorn eignet sich nicht nur für Kinder. Wir empfehlen - selbstverständlich zielgruppengerecht verständlich formuliert - ein differenziertes Betrachten der Kategorie "biologisches" bzw. "bei der Geburt zugewiesenes" Geschlecht für ein besseres Verständnis menschlicher Vielfalt: dazu gehören kurze Erklärungen zu den möglichen chromosomalen, gonadalen, hormonellen und anatomischen Variationen. Bei medizinisch neugierigen Zielgruppen könntet ihr auch über Hypospadie, Phimosen, Aussehen und Länge von Vulva-Lippen oder Klitoris-Eicheln sprechen oder solche Beispiele als Übergang zum Thema "kritische Reflexion von Schönheitsnormen" nutzen.

 

Habt ihr das Einhorn bereits in euren Workshops genutzt oder könnt es euch gut vorstellen? Worauf würdet ihr besonders achten, habt ihr Erfahrungen und Tips für den Einsatz?

Schreibt uns gern in die Kommentare.

 

Verfasst von: Katja Wollmer, Referentin für Sexuelle Bildung, pro familia Bundesverband

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Bitte akzeptiere die Datenschutzerklärung

Please accept

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Linda 17.08.2021 um 10:00

    Super, dass es eine deutsche Übersetzung gibt. Ich würde allerdings aufpassen, bei der Beschreibung Geschlechtsidentität - wie ich mich fühle. Es geht dabei weniger um ein Gefühl als um eine innere Gewissheit, welches Geschlecht eine Person hat. Siehe z.B. hier: https://www.tgns.ch/de/information/

    • user
      Katja (sexalog) 17.08.2021 um 10:28
      Super, vielen Dank für diesen Hinweis und weiterführenden Link!
      In der textbasierten Darstellung der Grafik haben wir die Beschriftung übernommen wie sie entwickelt wurde. In der Nutzung dieser Grafik ist der von dir formulierte Hinweis eine wichtige sprachliche Ergänzung, den die Workshopleitenden nutzen können.