Begriffsklärung: “Als Grooming wird die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderjährigen in Missbrauchsabsicht bezeichnet, indem stufenweise ihr Vertrauen erschlichen wird.” (Wikipedia) Cybergrooming ist entsprechend die zielgerichtete Kontaktaufnahme über das Internet und digitale Kommunikationswege bspw. über social media, Onlinespiele, Spielekonsolen u.v.m.
Das 10:35-minütige Video findet ihr hier: polizei.nrw/artikel/cyber-grooming
(Kurzlink: https://t1p.de/cgk4)
Anhand von zwei Fallbeispielen erleben die Zuschauer*innen, wie zwei junge Menschen in schwierige Situationen kommen:
Fallbeispiel A - Erpressung
Beim Zocken am Rechner wird über die Chatfunktion Kontakt aufgenommen, ein Gespräch entwickelt sich und der Aufforderung, sich vor laufender Kamera das T-Shirt auszuziehen, wird gefolgt. Dann wendet sich das Blatt, das Ausziehen wurde angeblich aufgezeichnet und es folgt die Erpressung “Wenn du nicht 100€ überweist, schicke ich die Aufnahme an all deine Kontakte” - über den Chat und per SMS. Nachdem überwiesen wurde, kommt später eine zweite Forderung, dass nochmal 100€ überwiesen werden sollen.
Fallbeispiel B - Sexuelle Nötigung
Aufgrund eines Status-Updates wird Kontakt aufgenommen und zum Chatten eingeladen. Den Tag über bis spät am Abend findet eine Unterhaltung statt, erste Fotos werden verschickt und dann wendet sich das Blatt: es werden mehr Aufnahmen gefordert, verbunden mit der Erpressung, dass die Fotos an der Schule veröffentlicht werden, wenn nicht Fotos mit mehr Haut (ohne BH) bis hin zu einem persönlichen Treffen am nächsten Tag erfolgen.
Parallel baut sich der Spannungsbogen durch eingestreute Aufnahmen auf und komplettiert das Bild, wer diese Forderungen stellt: im Fall A sitzen mehrere Personen vor Rechnern, hinter ihnen steht eine Person und scheint zu beobachten und direkt erfolgreiche Erpressungen zu bezahlen. Im Fall B sitzt eine erwachsene Person statt einer jugendlichen Person vor dem Rechner und teilt letztlich die Bilder auf einem (vermutlich Pornografie-) Portal.
Es folgen Hinweise und präzise Handlungsempfehlungen:
- Diese Geschichten sind wahr
- Kriminelle wollen pornografisches Material oder Geld von dir
- Dein Leben ist online | Schütze es (eingeblendet wird “Profil ist privat”)
- Leute, die online sind, sind möglicherweise nicht die, für die sie sich ausgeben
- Halte online die Zügel in der Hand | Stelle dich nicht bloß (eingeblendet wird “Sorry, kein Interesse” und “Sorry, ich passe”)
- Wenn dir so etwas passiert:
- - Brich den Chat ab
- - Teile nichts mehr
- - Zahle kein Geld
- - Suche Hilfe
- - Du bist nicht allein
- - Das ist sexuelle Nötigung und Erpressung im Internet
- - Es ist ein Verbrechen und Täter[*innen] werden verfolgt und bestraft
- - Speichere die Textnachrichten und Screenshots, um der Polizei bei ihrer Arbeit zu helfen
- - Hole dir Hilfe
- - Erstatte Anzeige
Hinweis: Die Unterhaltungen werden als geschriebene Worte eingeblendet, es wird im gesamten Video nicht gesprochen (ausschließlich Hintergrundgeräusche). Wenn die Zielgruppe sich das Video eigenständig erarbeiten soll, wären schnelle Lesekompetenzen notwendig. Alternativ könnte der Text abgetippt und der Zielgruppe ausgedruckt (oder als Text- oder Ton-Datei) zur Verfügung gestellt werden. Oder die geschriebenen Einblendungen könnten kurz gestoppt und vorgelesen werden.
Habt ihr noch andere Material- und Methodenhinweise zu diesem Thema? Würdet ihr dieses Video verwenden? Schreibt uns gern eure Hinweise in die Kommentarspalte.
Verfasst von Katja Wollmer, Referentin für Sexuelle Bildung, pro familia Bundesverband