Mehrere Personen stehen um einen Tisch herum und schauen auf Arbeitsblätter und Stifte
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GLEICHberechtigt!

Gleichberechtigt über Verhütung zu sprechen ist nicht immer einfach. Manchmal werden dabei auch Grenzen der Partner*innen missachtet. Um dies zu umgehen, möchten wir euch gerne eine Methode vorstellen:

GLEICHberechtigt! heißt diese Methode und befindet sich in der pro familia Publikation „Jetzt erst Recht - Menschenrechtsbasierte Sexualpädagogik mit Jugendlichen. Mit drei Praxisbeispielen“.

Damit ihr euch ein grobes Bild von der Methode machen könnt, möchten wir sie euch im Folgenden kurz vorstellen. Die Publikation findet ihr hier:
https://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Fachpublikationen/BV_Jetzt_erst_RECHT_2012.pdf 
GLEICHberechtigt! wird ab Seite 15 beschrieben.
(Kurzlink: https://t1p.de/lnbr)

Zielgruppe: Die Methode richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene.

Ihre Ziele sind

  • das Kennenlernen von sexuellen und reproduktiven Rechten
  • das Steigern der Selbstermächtigungskompetenz sowie
  • das Erkennen und Benennen von Ungleichheiten in sexuellen Beziehungen.

Anleitung:
(1) Zunächst gibt die Anleitung vor, dass in das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter eingeführt werden soll. Dazu können wichtige Aspekte, die mit angesprochen werden sollten, nachgelesen werden.

Eine kleine Ergänzung gibt es trotzdem: Die Gleichberechtigung betrifft nicht nur weibliche oder männliche Personen, sondern alle, unabhängig vom Geschlecht. Darauf sollte in einer Veranstaltung hingewiesen werden.

(2) Im nächsten Schritt werden die sexuellen und reproduktiven Menschenrechte besprochen. Dabei kann Bezug auf das gemeinsame Auswählen von Verhütungsmethoden, die Entscheidung für oder gegen gemeinsame Kinder aber auch im Allgemeinen auf Konsens in der Sexualität genommen werden. Dies kann mit Hilfe von vorgefertigten Karten geschehen. Diese findet ihr auf der Seite 23.

(3) An das Besprechen der sexuellen und reproduktiven Rechte schließt eine Kleingruppenarbeit an.
Dazu werden die Teilnehmer*innen in Gruppen von je 5 Personen eingeteilt. Jede Gruppe erhält eine Situationsbeschreibung zu dem Thema Verhütung (zu finden ab Seite 20) und je einen Satz der zuvor besprochenen Rechtekarten.

(4) Nachdem die Gruppen gebildet wurden, kann die eigentliche Aufgabe angeleitet werden. Dazu werden in der Publikation folgende Formulierungen vorgeschlagen:

Jugendliche haben im Zusammenhang mit dem pro familia Forschungsprojekt „Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch bei minderjährigen Frauen“ in Interviews über folgende Erlebnisse bei der Verhütung berichtet oder stellt euch vor, was wäre wenn euch eine Freundin bzw. Freund folgendes, was auf der Situationsbeschreibung steht, anvertrauen würde.“ (S. 16)

Die Teilnehmer*innen sollen sich nun darüber austauschen, welche Rechte in dem Situationsbeispiel verletzt werden und ihre Auswahl begründen. Um später die Gedanken mit der Großgruppe austauschen zu können, werden die Antworten von den Teilnehmenden auf Moderationskarten festgehalten. Diese Kleingruppenarbeit dauert ca. 20-25 Minuten.

(5) Nach Ablauf dieser Zeit können alle Teilnehmer*innen wieder zusammenkommen und ihre Auswahl für die jeweilige Situation besprechen. Dabei kann sowohl über die Begründungen als auch die Situation an sich reflektiert werden. Die Teilnehmenden sollen außerdem gemeinsam überlegen, was die Personen in dem Beispiel an ihrem Handeln verändern können.

(6) Abschließend können folgende Fragen betrachtet werden:
„− Wie kann ein gleichberechtigtes Verhütungsverhalten erreicht werden?
 − Wo liegen mögliche Stolpersteine? Wo die Herausforderungen?
 − Welche Handlungen sind für die ProtagonistInnen in den Beispielen erfolgsversprechend, damit es zu einer sicheren Verhütung für beide kommt?“ (S. 17)

Benötigtes Material:
Somit benötigt ihr für die Durchführung dieser Methode:

  • einen großen Raum und die Möglichkeit zum Arbeiten für kleine Arbeitsgruppen
  • Karten bzw. Blätter mit den Situationsbeschreibungen
  • Rechtekarten (pro Gruppe ein Satz: bspw. 3 Gruppen=3x alle Rechtekarten)
  • Moderationskarten
  • dicke Stifte

Die Situationsbeschreibungen und Rechtkarten können einfach ausgedruckt werden.
Dauer: Insgesamt kann die Methode ca. 90 bis 180 Minuten umfassen.

In der pro familia Publikation sind außerdem Tipps für die Moderation, andere Varianten der Methode und Vorschläge für das weitere Arbeiten zu Menschenrechten aufgeführt.

... und wie geht das online?
Eine Umsetzung in Onlineveranstaltungen ist auch denkbar. Die Einführungen in das Thema sowie die gemeinsame Besprechung der Rechte kann in einer großen Videokonferenz erfolgen. Für die Kleingruppenarbeit müssten Breakouträume erstellt oder die Teilnehmer*innen zu einer anderen Kommunikationsform (bspw. Telefon) animiert werden. Die Auswertung und die anschließende Reflektion ist danach wieder in einer großen Videokonferenz möglich.

 

Wir finden das Thema sexuelle und reproduktive Rechte sehr wichtig. Aus diesem Grund ist uns eure Meinung zu dieser Methode besonders wichtig. Schreibt sie uns doch bitte in die Kommentare!

 

Verfasst von: Johanna Walsch, Sexualpädagogin, Beraterin und Beratungsstellenleiterin pro familia Eisleben

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